Gemüsegarten

(Unschöne) Überraschung bei der Kartoffelernte: Kartoffelschorf

31. August 2018

Beim Gemüseanbau im Garten oder auch auf dem Balkon läuft nicht immer alles nach Plan. Das musste ich dieses Jahr beim Kartoffelanbau feststellen. Die bisherige Ernte viel zwar größer aus als im vergangenen Jahr, weil die gute Knolle dieses Mal auch direkt ins Beet und nicht nur in Säcken gepflanzt wurde, dafür haben einige Knollen aber Kartoffelschorf.

Der Traum vom Kartoffelbeet

Kennt ihr das, wenn euch eine schöne Kindheitserinnerung zu etwas Neuem antreibt. So ähnlich war es bei mir mit dem Kartoffelanbau. Meine mittlerweile verstorbenen Großeltern hatten vor langer langer Zeit einen Schrebergarten mit allem drum herum. Da wuchsen Blumen, Beeren und allerhand Gemüse, unter anderem auch Kartoffeln. Ich kann mich noch erinnern, wie ich mit meinem Uropa im Kartoffelbeet stand, die Knollen ausgrub und die schwarz-gelben Kartoffelkäfer inspizierte. Verrückt – diese Zeit liegt mehr als 20 Jahre zurück und dennoch ist dieses Bild aus längst vergangenen Tagen so klar. Getrieben von dieser Kindheitserinnerung und dem Wunsch, eigene Kartoffeln aus dem Garten zu haben, machte ich mich also ans Werk.

Im vergangenen Jahr hatte ich bereits einen ersten Versuch in Sachen Kartoffelanbau gestartet. Statt ins Beet kamen die Pflanzkartoffeln der Sorte „Blauer Schwede“ 2017 jedoch aus Platzmangel in Säcke. Die Arbeit war überschaubar, der Ertrag leider auch. In diesem Jahr wollte ich das Ganze etwas größer angehen. Also wurde den Kartoffeln eine kleine Ecke im Garten vorbehalten. Ende April wurden Pflanzkartoffeln der Sorte „Blauer Schwede“ und „Rote Emmalie“ gesetzt. Schnell war erstes Laub zu sehen.

Wir gossen so viel, wie es uns bei der anhaltenden Trockenheit dieses Jahr notwendig erschien. Die Pflanzen wuchsen von Tag zu Tag. Die Hoffnung auf eine große Ernte stieg und tatsächlich wurden wir auch hinsichtlich der Menge nicht enttäuscht. Für den zweiten Versuch und die Beetfläche war der Ertrag vollkommen zufriedenstellend.

Kartoffeln im Garten kultivieren

Mit Grabegabel und Erntekorb ins Kartoffelbeet

Beim Waschen einiger Exemplare fielen mir jedoch kleine braune, warzenähnliche Flecken an der Knolle auf. Das Schadbild kam mir von irgendwoher bekannt vor. Ich meinte, es schon einmal in irgendeiner meiner Gartenzeitungen oder Bücher gesehen zu haben. Nach einiger Recherche bestätigte sich mein Verdacht: Kartoffelschorf.

Kartoffelschorf – was ist das?

Kartoffelschorf ist eine Pflanzenkrankheit. Sie ist auf den Befall eines sauerstoffliebenden Bakteriums ( Streptomyces scabies) zurückzuführen. Das im Boden lebende Bakterium greift die Knolle an. Entweder tritt es über bereits vorhandene Wunden, über Atemöffnungen oder aber durch die dünne Schale zu Beginn des Knollenansatzes ein. Als Abwehrreaktion der Kartoffel bildet sich Schorf. Die Krankheit ist vollkommen ungefährlich und betrifft nur die Früchte im Boden, nicht aber die oberirdischen Pflanzenteile. Der Gärtner erkennt also nicht, was sich unterhalb der Bodenoberfläche abspielt. Die Überraschung gibt es erst während beziehungsweise nach der Ernte.

Auswirkungen des Kartoffelschorfs auf die Knolle

Die einzelnen Kartoffeln haben mehr oder weniger braune Flecken, die an Warzen erinnern. Mit ein wenig Glück ist der Schorf nur oberflächlich und parziell. Manchmal ist der Schorf aber auch großflächig über die gesamte Schale verbreitet oder es bildet sich neues Gewebe unter der betroffenden Stelle. Experten unterscheiden zwischen Flach-, Netz-, Tief- und Buckelschorf.

Maßnahmen zur Vermeidung von Kartoffelschorf

Eines vorweg: es scheint kein Patentrezept zu geben, wie sich Kartoffelschorf vermeiden lässt. Erfahrene Gartenexperten raten zu widerstandsfähigen Sorten. Vor allem ältere Kartoffelsorten sollen anfälliger für die Krankheit sein. Wer jedoch mit eben jenen liebäugelt, muss das Befallsrisiko in Kauf nehmen, kann es mit ein paar Tricks vielleicht aber auch einschränken.

Eine Möglichkeit bestünde wohl darin, zuvor eine Gründüngung auf dem künftigen Kartoffelbeet auszusäen. Luzerne, Roggen und Wicken sollen im Boden lebende Antagonisten fördern und das Bacterium Streptomyces scabies in Schach halten.

Darüber hinaus ist das Risiko, das Kartoffelschorf auftritt, vor allem bei trockenen und sandigen Böden sehr groß. Und genau diese Bodenverhältnisse liegen bei uns vor. Der Boden ist in einigen Gartenbereichen, vor allem in den neu angelegten Ecken, wirklich sehr wasserdurchlässig. Um Kartoffelschorf auf eben jenen trockenen Beeten zu vermeiden, hilft nur: gießen, gießen, gießen. Besonders wichtig sei die Wassergabe während des Knollenansatzes, heißt es oft. Das Belüften des Bodens durch regelmäßiges Hacken sollte scheinbar ebenso unterbleiben. Eben den Fehler habe ich auch gemacht, weil ich kein Unkraut aufkommen lassen wollte.

Knollen trotzdem verzehrbar

Für professionelle Kartoffelbauer ist die Krankheit natürlich ein Problem. Die Konsumenten sind makellose Ware im Supermarkt gewohnt. Der Marktwert von betroffenen Knollen sinkt demzufolge. Oftmals gelangen sie auch gar nicht ins Regal und werden zuvor aussortiert und sogar entsorgt.

Für Hobbygärtner ist Kartoffelschorf dagegen kein allzu großes Problem. Als Freizeit-Gemüseanbauer freut man sich über jede Ernte und schaut auch mal über den einen oder anderen Makel hinweg. Solange der Kartoffelschorf nicht zu stark ausgeprägt ist, fällt beim Schälen kaum mehr Kompostabfall  an. Ein kleiner Tipp: bereitet die betreffenden Kartoffeln wie Pellkartoffeln zu und schält die Knollen erst im Anschluss. Die ganz Kleinen hatten meist kaum Stellen und landeten bei uns mit ein bisschen Öl, Rosmarin, Salz und Butter in Alufolie auf dem Grill.

Die Kartoffeln schmecken genauso gut, wie unversehrte Knollen. Dem Geschmack tut der Schorf also keinen Abbruch.

Einziges Manko: Die Lagerfähigkeit betroffener Kartoffeln nimmt ab. Die Kartoffeln verlieren über die schorfigen Stellen mehr Feuchtigkeit und beginnen schneller zu schrumpeln. Außerdem können Parasiten einfacher eindringen. Sollte man einige Exemplare dennoch wohlbehalten über den Winter bringen. Kann man sie durchaus als Pflanzkartoffel verwenden. Die Krankheit ist nicht übertragbar, da die Bakterien im Boden leben.

Sofern sich in unserem Garten im kommenden Jahr wieder ein Plätzchen für Kartoffeln findet, wird die beliebte Knolle wieder bei uns einziehen. Alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei. Ob es dann wieder die Sorte „Rote Emmalie“ oder „Blauer Schwede“ wird, wird sich zu gegebener Zeit zeigen. Zumindest weiß ich, dass der Boden nächstes Jahr während der Knollenbildung deutlich mehr beregnet werden muss.

Sarah

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